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Drachenreiter am Alex

Kita in Berlin am Alexanderplatz
Werner Huthmacher
Werner Huthmacher
Ort
Berlin
Gebäudekategorie
Kitas und Kindergärten
Bauvorhaben
Neubau
Jahr der Fertigstellung
2016
Material Fassade
Mauerwerk
Architektenpreis
Ausstellung DA! Architektur in und aus Berlin
In Arbeitgemeinschaft mit THINKBUILD

Projektart: Direktbeauftragung
Auftraggeber: Drachenreiter GgmbH
Fläche: 1.100 m2 BGF
Planungs- / Bauzeit: 09/2015-04/2016
Fotos: Werner Huthmacher


Die neue Kita für Berlin-Mitte nimmt nahezu die ganze erste Etage eines elfstöckigen, von Collignon Architektur geplanten Wohnhaus-Neubaus nahe dem Alexanderplatz ein. Rund 1.000 Quadratmetern Fläche stehen für bis zu 100 Kinder und etwa 20 PädagogInnen bereit. Räumlich gruppiert sich die Kita L-förmig um eine Dachterrasse herum, die als Spiel- und Freifläche für die Kinder dient. Vervollständigt werden die Kitaräume durch einen Verwaltungstrakt. Zwischen Verwaltung und Kita liegt die vollkochende Küche.

Der Hauptzugang der Kita erfolgt über ein offenes Ecktreppenhaus, das als Scharnier zwischen dem U3-Krippenbereich und dem Ü3-Kitabereich dient. Beide Bereiche sind so gleichermaßen verbunden als auch getrennt. Der als Folge der Gebäudetypologie zunächst vorgegebene Mittelgangorganisation wird dem offenen pädagogischen Konzept der Kita folgend mit einer rahmenlosen Glaswand entlang der Gemeinschaftsräume begegnet, die sich alle dem gemeinsamen Terrassenhof zuwenden. So wird der Mittelgang räumlich-visuell aufgelöst. Dies wird zusätzlich durch eine polygonale Perforierung der Gangwand zu den Räumen der anderen Seite unterstützt. Diese großen Löcher dienen zugleich als Sitznischen in den Gruppenräumen als auch als „Gucklöcher“ dem Sichtbezug zwischen Gruppenräumen, Gemeinschaftsräumen und Gang. Der Gang ist außerdem mehr als nur ein Erschließungsraum, sondern erweitert die Kita-Räume visuell und dient zudem als Rennbahn für Bobby Cars.

Die Reggio-inspirierte, offene Pädagogik findet in der Architektur der offenen Räume ohne klassische Unterscheidung zwischen Gruppen- und Nebenräumen ihre Entsprechung, so gibt es u.a. ein Kinderatelier, ein Kinderrestaurant, eine Bibliothek, einen Bewegungsraum, einen Ruheraum, die allen Kindern je nach Interesse und Laune zur Verfügung stehen. Das heißt, die Kinder suchen sich ihren Platz in der Kita je nach Neigung und Entwicklungsstand selber. Naturgemäß fehlen auch die in Kitas dieser Größenordnung üblichen Gruppenräume als Identitätsgebende und Zugehörigkeit definierende Orte. Dem begegnet das Projekt mit einem stringenten Farbkonzept, das jedem Kind über eine Farbzugehörigkeit lediglich eine Garderobe und einen Sanitärraum identitätsstiftend zuordnet. Das Farbkonzept dient zugleich als Orientierung. Hier stellen starke, klare Töne die leicht verständlichen Bezüge her. Grün und Gelb sind den älteren Kindern vorbehalten, Blau steht für den „Nestbereich“ der Krippe.

Der Entwurf umfasst sowohl das Teil als auch das Ganze. Von den Räumen zieht sich die Gestaltung bis zu den Möbeln. Die Möbel sind nach Möglichkeit polyvalent. Die eigens entwickelten und sich geometrisch auf das Polygon beziehenden Stühle lassen sich beispielsweise durch einfaches Rotieren auf drei verschiedene Sitzhöhen einstellen. Und die trapezförmigen Tische sind flexibel zu Kreisen, Reihen oder Quadraten arrangierbar, und bilden so eine Art Tangram mit den Tischen. Breite Fensternischen, die zum Reinkrabbeln einladen und Sitzbänke, in denen sich allerhand verstauen lässt gehören ebenfalls zur individuellen Drachenreiter-Einrichtung. Ebenso wie die Kneipp-Becken oder auch der eigens angefertigte „Brunnentisch“ im Badbereich, die auch für ein bewusstes Erleben und kindliches Erforschen des Elements Wasser sorgen sollen.